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Staatsarchiv Bremen

Überlieferungslage zum Ersten Weltkriegs im Staatsarchiv Bremen

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Ein politisch, sozial und wirtschaftlich sowie kulturell bedeutsames Ereignis wie der Erste Weltkrieg bedeutete für die Politik und die Verwaltung der Freien Hansestadt Bremen, für die an der Weser ansässige Wirtschaftsunternehmen und auch für jeden Bewohner Bremens eine scharfe Zäsur, so dass sich der Ausbruch und das Ende des Kriegs in einer Vielzahl von Überlieferungen als Einschnitte bemerkbar machen.
Gleichwohl lassen sich zahlreiche Bestände und Teilbestände des Staatsarchivs Bremen (StAB) benennen, in denen der Benutzer für die Jahre 1914 bis 1918 eine quantitativ dichte, materialreiche und inhaltlich vielfältige wie aussagekräftige Überlieferungslage erwarten kann.

Quellen zu Bremen als Gliedstaat des Deutschen Reichs 1914-1918:

Die Haltung der Freien Hansestadt Bremen zu übergeordneten politischen Themen wie dem Kriegsausbruch, der Kriegszieldiskussion und Kriegsschuldfrage hat ihren Niederschlag in zahlreichen Verwaltungsvorgängen der Senatsregistratur sowie in den Unterlagen der Bremischen Gesandtschaft in Berlin (StAB 4,49) gefunden. Zudem sind in Bremen Akten zur Kriegsfinanzierung entstanden (StAB 3.F.1.a.).

Quellen zu einer bremischen Militärgeschichte des Ersten Weltkriegs:

Bremen trat seine Militärhoheit 1867 an Preußen ab, war aber Standort des (1. Hanseatischen) Infanterie-Regiments Nr. 75, dessen Betätigung im Ersten Weltkrieg eine Sammlung (StAB 9,S 9-11) dokumentiert. Über diese und andere im Land Bremen stationierte Einheiten sind aussagekräftige Dokumente in der Senatsregistratur (StAB 3-M.2.) vorhanden. Unterlagen zum bremischen Musterungswesen hält die Überlieferung der Ersatzkommission bereit (StAB 4,3); auch die Verleihungen des Hanseatenkreuzes sind erhalten geblieben (StAB 3/4).

Quellen zur bremischen „Heimatfront“:

Die innenpolitische, soziale und wirtschaftliche Situation und Entwicklung Bremens lässt sich an Hand der Überlieferung der Polizeidirektion (StAB 4,14/1) und der Kriegsdeputation (StAB 4,2) nachvollziehen; letztere war für die Regulierung und Überwachung des zivilen Konsums von Lebensmitteln und Gebrauchsgütern zuständig. Auch die Senatsregistratur hält inhaltlich gehaltvolle Verwaltungsvorgänge zur inneren Entwicklung Bremens im Ersten Weltkrieg im Allgemeinen (StAB 3-M.2.h.2) wie auch zu gerichtlichen Gnadensachen (StAB 3.G.5.a.) bereit. Für Bremerhaven (StAB 4,20) wie für einzelne Gemeinde im zu Bremen gehörigen Landgebiet lassen sich einzelne Aspekte vertiefen.

Bremische Quellen zu Kriegserlebnis und Kriegserinnerung:

Kriegstagebücher, Gefangenen- und Feldpostbriefe sowie andere persönliche Papiere, in denen sich die berufliche Tätigkeit und das Alltagsleben während des Ersten Weltkriegs dokumentieren, sind in diversen Nachlässen, u.a. in dem des späteren Bremer Bürgermeisters Wilhelm Kaisen (StAB 7,97/2), und den Kleinen Erwerbungen (StAB 7,500) zu finden. Ergänzend hierzu hält die Dienstbibliothek des StAB eine umfangreiche Erinnerungsliteratur bereit, zumeist von Angehörigen des Infanterie-Regiments Nr. 75. Schließlich wurde in Bremen nach 1918 intensiv die Erinnerung an die Kämpfe in den deutschen Kolonien gepflegt: Kurt von Lettow-Vorbeck lebte in der Hansestadt; 1932 wurde ein Kolonialehrenmal eingerichtet. Aufschluss hierüber geben einzelne Vorgänge der Senatsregistratur und die Überlieferung der Nachrichtenstelle der Polizeidirektion (StAB 4,65).

Bremische Quellen zu einer Globalgeschichte des Ersten Weltkriegs:

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs brachen die Schifffahrt und der Handel in alle Weltteile ab. Dieser Einschnitt lässt sich an Hand einiger Firmenüberlieferungen, zum Beispiel der des Afrikahauses J.K. Vietor (StAB 7,2001) oder der der Deutsche Südseephosphat A. G. (StAB 7,2017), sowie den Schifffahrtssachen der Senatsregistratur nachvollziehen (StAB 3-S.2.a.). Die Tätigkeit der Norddeutschen Mission (StAB 7,1025) als einer hauptsächlich in Westafrika tätigen Einrichtung mit theologischen, missionarischen und caritativen Aufgaben kam mit Kriegsausbruch zum Erliegen, wurde aber nach 1918 wieder aufgenommen.

Ergänzende Überlieferungen zu einzelnen Themenfeldern sind im Stadtarchiv Bremerhaven, dem Archiv der Handelskammer Bremen und dem Landekirchlichen Archiv zu erwarten (nähere Hinweise: Staatsarchiv Bremen (Hrsg.), Archive im Land Bremen, bearbeitet von Brigitta Nimz und Konrad Elmshäuser, Bremen 2009).


Dr. Jörn Brinkhus
Abteilung Archivbestände
(Stand: 02/2013)



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